Die Max Mara Spring/Summer 2026 Fashion Show war mehr als ein Laufstegmoment – sie war ein Stück lebendige Poesie in Bewegung. Die traditionsreiche Marke präsentierte ihre neue Kollektion nicht einfach als Abfolge modischer Entwürfe, sondern als vielschichtig inszeniertes Gesamterlebnis. Inspiriert vom Rokoko und insbesondere von Madame de Pompadour, einer historischen Ikone weiblicher Macht und Ästhetik, brachte Max Mara eine Vision auf den Laufsteg, in der Vergangenheit und Gegenwart kunstvoll miteinander verwoben wurden.






Der Catwalk wurde zur Bühne für eine stille, aber tief bewegende Erzählung: Licht und Schatten begleiteten die Modelle wie dramatische Akzente in einem Theaterstück, während Stoffe in Schichten über Körper flossen, sich öffneten, verdeckten, bewegten. Der Raum wirkte nicht neutral, sondern sorgfältig kuratiert – ein Garten der Mode, in dem jedes Kleid wie eine Blüte zu voller Entfaltung kam. Besonders eindrucksvoll waren jene Kreationen, deren Volumen und Struktur an exotische Blüten oder gefaltete Origami-Objekte erinnerten – etwa ein Rock aus Hunderten von feingeschnittenen Organza-Teilen, der sich wie ein lebendiges Kunstwerk bewegte.






Der kreative Leiter Ian Griffiths spielte bewusst mit Kontrasten: Transparenz gegen Struktur, Dekor gegen Reduktion, Romantik gegen Rationalität. So standen weich fallende, fast schwerelose Kleider neben klar geschnittenen Power Suits mit markanten Schultern und betonten Taillen. Die Farbpalette blieb typisch Max Mara: sanfte Camel-Töne, Elfenbein, Schwarz – mit einem gezielten Farbtupfer in Form eines Print-Kleids, das Meeresmotive wie Muscheln und Korallen aufgriff, ein leiser, ironischer Gruß an den Rokoko-Stil. Die Stoffwahl unterstrich diese Balance zwischen Klassik und Innovation: technische Mesh-Texturen trafen auf Seide, Baumwollpopeline wurde mit Stretch-Jersey kombiniert, wodurch selbst strukturierte Looks eine neue Beweglichkeit erhielten.






Was die Show besonders auszeichnete, war ihre ruhige, fast meditative Dramaturgie. Die Modelle bewegten sich langsam, fast feierlich, durch den Raum – als wollten sie nicht nur Kleider zeigen, sondern ein Gefühl vermitteln. Es war kein hektisches „Sehen und Gesehenwerden“, sondern eine Einladung zum Hinschauen. Die Details sprachen für sich: Riemen, Cut-outs, überlagernde Stoffe und elastische Akzente sorgten für subtile Spannung. Die Kleidung selbst wurde zur Sprache – mal flüsternd, mal bestimmend, aber nie laut.






Begleitet wurde die Show von einem Publikum, das – ganz im Sinne der Marke – Eleganz und Understatement verkörperte. Die Gäste waren stilvoll, aber nicht aufdringlich, und spiegelten die Haltung der Kollektion wider: zurückhaltender Luxus, der nicht blenden muss, um zu beeindrucken. Die Front Row war nicht der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – der Fokus lag klar auf dem Geschehen auf dem Laufsteg.






Am Ende hinterließ die Max Mara Show nicht nur ein ästhetisches Bild, sondern eine Haltung. Sie zeigte Mode als Kunstform, die sich der Schnelllebigkeit widersetzt. Mode, die nicht nur für den Moment gemacht ist, sondern eine Geschichte erzählt – über Frauen, über Eleganz, über Stärke in der Stille. Die Kollektion wirkt wie ein Echo auf unsere Zeit: ein Ruf nach Feinheit in einer Welt, die oft grob geworden ist. Wer genau hinsah, erkannte, dass Max Mara hier nicht nur Kleidung zeigte – sondern eine Vision davon, wie Mode sich anfühlen kann, wenn sie mehr sein darf als nur Trend.






